Dobbertin

Die alljährliche Freundinnen-Zeit – fünf Tage in Neuhof bei Dobbertin, südlich von Güstrow, auf der Mecklenburgischen Seenplatte, im Juli 2015.

Ein wirklich besonderer Ort!
Ich würde ja sagen ‚ich lasse die Bilder für sich sprechen‘.
Nur – ich konnte es gar nicht so schön fotografieren, wie es in Wahrheit dort ist.
Beschreiben ist auch schwer. Ich versuche es halt trotzdem mal:

Neuhof wurde etwa Anfang des 19. Jahrhunderts als Meierei und Schäferei des nahe gelegenen Klosters Dobbertin (noch immer sehr sehenswert) errichtet. Das neunachsige Gutshaus vermittelt auch heute noch einen Eindruck von der Lebensweise der früheren Pächter. Der Rest des Dorfes besteht aus einigen wenigen Katen für die Leute des früheren Gutes.

Insgesamt sind es nur zehn Anwesen. Die meisten sind regional übliche Backsteinhäuser, heutzutage glücklicherweise nicht zu sehr aufgehübscht. Hindurch führt eine traumhafte Dorfstraße. Sie besteht noch aus den alten Wackersteinen und wurde zum Glück nie asphaltiert. Am Ende des Dorfes trifft man dann auf das alte denkmalgeschützte Gutshaus mit seinen Nebengebäuden. Monika, die sehr sympathische bodenständige Besitzerin, hat es ganz herrlich authentisch belassen. Da ist Manches krumm und schief und soll auch so bleiben. Wo renoviert wurde, ging man sensibel vor und rettete, wo immer möglich, das Alte. Manches ist auch nie fertig geworden. Auch das passt wunderbar ins Bild.

Wir wohnten im früheren Gesindetrakt und konnten das ganze riesige Naturgrundstück nutzen. Keine fünfzig Meter vor dem Küchenfenster liegt dann das Juwel dieses Ortes: der Weiße See. Und der gehörte uns ganz allein! Kann man sich etwas Schöneres vorstellen?! Herrlich, herrlich, herrlich – sich mehrmals täglich in das frische saubere Seewasser zu stürzen, am liebsten schon vor oder gleich nach dem ersten Kaffee.

Überhaupt unternahmen wir dort, wie meist bei unserer Freundinnenzeit, außer schwimmen so spektakuläre atemberaubende Dinge wie spazierengehen, lesen, gemeinsam kochen, fotografieren, ein wenig Kultur genießen, ganz viel Natur genießen, reden …

Ganz allein gehörte der See uns nicht: auf einer Holzstange mitten im Wasser landete immer der Kormoran und breitete seine Flügel zum Trocknen aus. Und auf dem Weg zum Steg begegneten uns meist Smilla und Amazone sowie die Namenlose, Monikas Katzen.

Der See hat ganztags einen herrlichen Sonnenstand. Besonders bezaubernd sieht er im Abendlicht aus. Dann sind die schönsten Uferabschnitte in ein traumhaftes Licht getaucht – wunderbar zu beobachten vom Garten aus. Die Wasseroberfläche wird abends ganz still und glatt. Man sieht dann herrliche Spiegelungen. Und sitzt die ganze Zeit nur und schaut und hält die Luft an …
… oder rudert nach dem Abendbrot nochmal mit dem kleinen Boot raus und trinkt seinen Rotwein draußen auf dem Wasser und schaut den Fischen zu, die sich Mücken schnappen.  Einmal schwamm ich früh um halb sieben. Dann ist der See ebenfalls noch ruhig und glatt. Nach dem nächtlichen Regen zogen in der aufgehenden Sonne zarte Nebelschleier übers Wasser. Unbeschreiblich schön! Und über all dem der so weite mecklenburgische Himmel und die sanfte geschwungene Endmoränenlandschaft.  Der See liegt knapp unterhalb des Hauses wie in einem Amphitheater mit Hügeln als Horizont, und so fühlt man sich dort wie auf einer eigenen Insel – total beschützt. Nichts dringt hier ein …

In Neuhof ist es gaaanz gaaanz ruhig – wie unglaublich erholsam!
Deswegen hört man dort die Fische im See springen, Füchse und Rehe bellen, Kraniche trompeten, den Hahn krähen, die Hühner gluckern, Kolkraben rufen, Hummeln summen …
An einem Morgen perlte leise sehr schöne Klaviermusik aus dem Haupttrakt zu uns herüber – gespielt von Monikas Enkelin, die zu Besuch gekommen war.
Und schön dunkel wird es nachts auch. Da schläft man gut.

Wir spielten wieder das Spiel ‚wie kommen wir möglichst lange mit unseren Vorräten aus‘ – um möglichst nicht in irgendeinen lärmenden Einkaufsmarkt fahren zu müssen. Freiwillig bewegten wir uns nur mit dem Auto weg, um in Güstrow auf den Spuren des Schriftstellers Uwe Johnson und des Bildhauers Ernst Barlach unterwegs zu sein. Barlachs Atelierhaus sowie einen Teil seiner Werke kann man in Güstrow besichtigen. Auch hier, wie so oft, spannende, teils tragische Geschichten drum herum (Drittes Reich, DDR).
Nicht weit entfernt, in Rothen, besuchten wir das idyllisch gelegene Werkstattatelier Schröter, einen Zusammenschluss von Künstlern und Kunsthandwerkern verschiedenster Couleur, und erstanden schöne Dinge für die Daheimgebliebenen.

Monika vermittelte uns zur Aufstockung unserer Vorräte an einige Bekannte in den Nachbardörfern. Dort tummelt sich ja teils ein besonderes Völkchen. Und alle versuchen, ihren kleinen Traum zu leben, und schaffen das teilweise ganz gut. Der eine stellt sehr schmackhafte Ziegenkäsearten her, die andere zieht glückliche Bio-Wasserbüffel groß und verkauft deren Fleisch. Monika selbst versorgte uns täglich mit Gemüse aus ihrer kleinen Bio-Gärtnerei. Kräuter und Beeren durften wir ohnehin im Garten pflücken. Wieder ein anderer dreht sehr angenehme Zigaretten aus Eigenbau-Tabak. Die Produkte werden fleißig untereinander getauscht. Jeder kann etwas Anderes am besten und man teilt seineTalente und hilft sich gegenseitig. Ich finde das super! Fast wie in früheren Zeiten.

Neuhof macht mir ganz viel Kopfkino. Den Film dazu nenne ich ‚Entschleunigung‘.
Also, an diesen Ort will ich unbedingt nochmal!!!!

p.s. : Dort ist die Welt noch so in Ordnung, dass die Türen nicht verschlossen werden. Ja!!! Ich habe es extra fotografiert! Die Eingangstür hat noch nicht mal ein Schlüsselloch, wo man einen Schlüssel reinstecken könnte – den es ja gar nicht gibt. Wir haben uns sicher und geborgen gefühlt wie in Abrahams Schoß …

©U

August 2016

Auch heuer fand die Freundinnen-Zeit bei Monika in Neuhof statt,
„bei der wir so gern die Seele baumeln lassen, weil das an kaum einem anderen Ort so gut geht, wie dort, wo sie sich niedergelassen hat“ – wie es meine Freundin Regina so schön und treffend formulierte.

Irgendwie war das gar keine Frage, wo wir dieses Jahr hinfahren würden. Monika, dieser besondere Mensch, der sich im Nu in einem Winkel des Herzens verwurzelt hatte, und ihr Ausnahmeort zogen uns einfach an.
Dieses Mal war es schon beinahe ein wenig wie Nachhausekommen – in ein Zuhause in der Ferne, an einen vertrauten Ort, wo man sich geborgen fühlt und freundschaftlich erwartet wird (übrigens mit einem leckeren Roséwein auf der Wiese überm See). Was will man denn mehr von einem Ferienziel ??? Die absolute und so erholsame Ruhe dort und meine geliebte, sanft geschwungene mecklenburgische Landschaft seien hier nochmals erwähnt!

Dieses Mal igelten wir uns komplett in Neuhof ein. Vorräte hatten wir ausreichend mitgebracht, um nicht wegfahren zu müssen – und waren vollends zufrieden, über die Neuhof umgebenden Felder zu spazieren. Außerdem verlegten wir große Teile des Tagesablaufes auf den neuen Holzsteg unten am See:
zum Tagesbeginn eine erfrischende Runde schwimmen, sich genüsslich bei Kaffee in der Sonne trocknen lassen, später ein leckeres Frühstück bereiten und auf dem Steg einnehmen, dann lesen, reden und Seele baumeln lassen auf dem Steg, mal hinausrudern oder nochmal schwimmen, abendlicher Weingenuss und Sonnenuntergang beobachten auf dem Steg oder im Boot … dazu gute Gespräche, eine Einladung zu einem herrlichen marokkanischen Abendessen bei der weitgereisten Monika …
Einmal fanden wir beim Spazierengehen einen Riesenbovisten, den wir in ein Abendessen verwandelten.
Wenn man sich so vermeintlich reduziert, ist man auf einmal ganz reich. Also mir geht es so! Und darum muss Neuhof zur festen jährlichen Einrichtung werden!

Ach ja – ein wenig Kultur gönnten wir uns auch noch: auf dem Hinweg unternahmen wir einen Abstecher nach Neuruppin, der Geburtsstadt des von uns beiden verehrten Theodor Fontane, und wandelten dort ein wenig auf seinen Spuren.
Auf dem Rückweg statteten wir Karl Försters Staudengarten in Potsdam-Bornim einen Besuch ab. Ein sehr sehenswerter Ort, vor allem für Gartenliebhaber!

 

Hurra! Im September 2017 ist es wieder so weit: Neuhof – ich komme …

 

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